2018-11-01: Donnerbach

Aus Höhlenverein Hallstatt-Obertraun
Version vom 15. November 2018, 20:19 Uhr von Peter Hübner (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Termin

1. November 2018 bis 4. November 2018

Ziel:

Besichtigung Donnerbach und Vermessung (Wetti, Peter) hinter Donnerbachsiphon,

Geplanter Ablauf

Treffpunkt: Am Vorabend in Obertraun oder in der Früh am Simony-Denkmal

Tätigkeiten:

1. Tag: Marsch zur Sprengstelle mit Vermessung von Reststrecken am Pendler

2. Tag: Marsch zum Wolken- oder Fragezeichenbiwak

3. Tag: Donnerbachsiphon

4. Tag: Rückweg

Teilnehmer

Wetti Wielander, Peter Hübner, Katharina Bitzer, Tanguy Racine

Max. 8 Teilnehmer, außer es geht noch jemand mit, der den Weg zum Wolken- und Fragezeichenbiwak kennt.


Bericht

von Wetti Wielander

Während deer viertägigen Hirlatztour konnten insgesamt rund 350 m vermessen werden. Davon entfallen rund 100 m auf einen Canyon beim Pendler, 25 m auf einen Canyon oberhalb der Sprengstelle und weitere 230 m kamen hinterm Donnerbachsiphon dazu.

Donnerstag, 1.11.: Um 10:00 trifft sich das fünfköpfige Team beim Simondydenkmal, bei schönem, trockenem Herbstwetter erreicht die Gruppe ohne weitere Probleme den Höhleneingang und beginnt mit dem Anmarsch zur Sprengstelle. In der Zwischenetage wird ein Halt eingelegt. Dort war Peter zuvor auf alten Planskizzen ein noch nicht vermessener Schacht aufgefallen - dieser konnte bereits im Sommer erkundet aber noch nicht vermessen werden. Der Schacht ist gut kletterbar, nahe des Schachtgrundes setzt ein feuchter Canyon an, welcher wieder zurück zum Pendler führt. An einer Schachtstufe musste die Vermessung abgebrochen werden - hier wäre zum weiteren Vorankommen ein Superschlaz empfehlenswert. Vermutlich ist dieser Schacht der Wassereintritt, den man rechts der Brücke in den Schacht unter dem Pendler stürzen sieht. Eine kleinräumige Überlagerung des Canyons führt in einen Versturzraum. Auch über diesen Versturzraum war noch nichts bekannt, allerdings zeugen aufgefundenen Fußspuren von zumindest einer früheren, nicht dokumentierten Befahrung.  Das durchfeuchtete Messteam begibt sich weiter zur Sprengstelle, das Biwak wird bezogen. Nach einer kurzen Mittagsrast geht's weiter zum nächsten Tourenziel: einem kleinräumigen Canyon oberhalb der Sprengstelle, dh am Zustieg Richtung Osten / Schwabenland gelegen, ca. 5 Minuten Gehstrecke vom Biwak entfernt. Der Canyon setzt mitten im Gang an - in Form eines Lochs im Lehmboden. Man kann dort in den Canyon hinunter steigen, wenn einem nicht davor gruselt, dass sowohl Wände als auch Decke des Canyons aus bröckeligem Lehm bestehen. Am Boden fließt ein Gerinne. In nördlicher Richtung (dh bachabwärts) verschwindet das Gerinne bald in einer unbefahrbaren Spalte, in südlicher Richtung kann man hier dem Canyon rund 5 m folgen. Tanguy, unser französischer Gast, ist begeistert. Eine Höhle in der Höhle! Der Canyon zieht sich also ein Stück unterhalb des Hauptganges dahin, davon 5 m befahrbar, hörbar ist das Wasser unter unseren Füßen aber auf deutlich längerer Strecke. An der südlichen Raumbegrenzung des Hauptganges kann man allerdings wieder in den Canyon hinein schliefen - hier sind die Wände und die Decke allerdings oder eher gottseidank aus Fels und demnach deutlich stabiler. Wenn man dem Canyon weiter in südwestlicher Richtung (bachaufwärts) folgt, gelangt man schließlich an eine zugelehmte Engstelle (auch hier wiederum nicht dokumentierte Spuren früherer Befahrer). Graben wäre möglich - wenn man in der Hirlatz nicht lohnendere Forschungsziele findet. Für heute jedoch ist unsere Neugier befriedigt - es geht zurück zum Biwak. Zwei Stunden und ein gutes Abendessen später: Peter fragt sich verblüfft, warum das Wasser der Biwakquelle auf einmal so trüb ist. Es wird trüber und trüber... So wie's aussieht, haben wir mit unserem hübschen, engen Lehmcanyon die Biwakquelle befahren.

Freitag, 2.11.: Wir ziehen weiter von der Sprengstelle Richtung Osten. Kurzer Abstecher zum Wolkenbiwak, wo wir Matten und Schlafsäcke einpacken. Blei und Tauchleine liegen schon an der Abzweigung.. Wir erreichen nach rund 6 Stunden Gehzeit in gemütlichem Tempo das Fragezeichenbiwak, welches platzmäßig für 5 Personen recht gut passt. Sind noch nicht allzu müde, also wird die Gegend ein bisschen erkundet. Außerdem muss Peter noch die Abzweigung zum Donnerbach suchen, da er seit seinem letzten Besuch vergessen hat, wo genau dies war. Nach einigem Suchen gelingt dies und der Weg für den nächsten Tag ist klar.

Samstag, 3.11.: Tagwache ist um 8:00, dann wird das Tauchgepäck verstaut (vielen Dank an die drei Tauchhelfer!) und es geht Richtung Donnerbachsiphon, welchen wir nach ca. 1 1/2 Stunden erreichen. Es ist deutlich mehr Wasser als bei Peters letztem Tauchgang vor mehr als 10 Jahren vorhanden, auch ist das Wasser durch die vorherigen Regenfälle leicht trüb. Der Tauchgang selber verläuft, von minimalen Orientierungsproblemen und kleinen (wirklich ganz kleinen) Lecks am Finimeter abgesehen, weitgehend problemlos, allerdings erkennt Peter die Auftauchstelle kaum wieder - durch den etwas höheren Wasserstand sieht alles ein kleines bisschen anders aus. Wetti ist entzückt - haben wir eine neue Halle entdeckt? Nein, wir sind tatsächlich im - etwas überfluteten - Römerbad gelandet, und hier ist auch schon die von Peter 2007 nicht befahrene Canyonfortsetzung zu sehen. Passend zum Römerbad beschließen wir, diesen überaus malerischen Canyon "Donnerthremencanyon" zu nennen. Weiter geht's vermessender Weise, immer bachaufwärts. Der Canyon ist in etwa mannsbreit und 5-6 m hoch, mäandrierend zieht er erst nach Westen und in einer großen Schleife dann wieder Richtung Osten. Nach rund 90 m erreichen wir eine geräumige Halle, wo ein mehr als 20 m hoher Schlot, aus dem es leicht tröpfelt, ansetzt. Dort stoßen wir auf eine Verzweigung - ein niedriger, nach Süden ziehender, aufgrund der hacheligen Bodenbeschaffenheit eher unangenehm zu befahrener Schluf, setzt dort über einer Stufe an. Im Gegensatz zum aktiven Canyon sind in dem Schluf lediglich Wasserpfützen anzutreffen, sowie auch kleinere Lehmbänke. Der Schluf zieht Richtung Südwesten und wurde rund 80 m weit befahren und vermessen, an einer größeren Wasserpfütze wurde umgedreht, ohne das Ende des Schlufs erreicht zu haben. Die Hauptfortsetzung der neuen Höhlenteile, der Canyon, zieht nach der Halle schnurgerade Richtung Osten. Auch hier sind wir nicht weiter, da der Canyon etwas breiter und das Wasser deutlich tiefer wurde - schwimmen wollten wir beide nicht. Ist ein bisschen absurd, da wir ja ohnehin schon vom Tauchen waschlnass waren, aber langsam machte sich bei uns beiden leichte Müdigkeit und Fröstelei bemerkbar. Also retour. Auch das Zurücktauchen klappte problemlos, und mit großem Hallo wurden die beiden Taucher vom Supportteam auf der anderen Seite des Siphons, wo schon warme Suppe bereitstand, willkommen geheißen. Was für ein wunderschöner Abschluss für einen wunderschönen Tauchgang!

Sonntag, 4.11.: Jede schöne Höhlentour muss ein Ende haben - es geht wieder nach draußen. Das Biwak wird zusammen geräumt, die schweren Schleifsäcke werden geschultert. Nach nur 7 1/2 Stunden erreichen wir den Höhleneingang und freuen uns auf ein warmes Essen beim Höllwirten.

Taucher: Peter Hübner, Wetti Wielander. Support: Katharina und Georg Bitzer, Tanguy Racine